| Küsse in Pink |
Im Jahre 2008 musste ich eine große Entdeckung machen: Ich habe mein Coming-out sieben Jahre zu früh durchlebt. Hätte ich mich nicht als 13-jährige Frühzünderin auf der Suche nach meiner sexuellen Identität gemacht, bekäme ich heute ein wahrhaft nützliches Coming-out-Buch an die Hand. Die Rede ist von „Küsse in Pink“, das literarische erste Mal (sprich: das erste Buch) von Silvy Pommerenke. Wie immer zählt der erste Eindruck. „Küsse in Pink“ ziert als locker-jugendlicher Schriftzug das 60er-Jahre-Retro-Cover über einem eher neutralen Foto: (vermutlich) zwei Frauen, die nebeneinander stehen und die Hände in die Gesäßtaschen der Jeans stecken (allerdings der eigenen!). Erst wenn der Blick sich senkt, liest mensch: „Das lesbische Coming-out-Buch“. Erster Pluspunkt. Denn: Wer mitten im Coming-out steckt, sei es nun das „innere“ oder „äußere“, kann ein Cover, von dem das Wort lesbisch förmlich schreit oder auf dem einem ein knutschendes Frauenpaar entgegenspringt, wahrlich nicht gebrauchen. Vor uns liegt also ein CO-Buch, das wir nicht mehr heimlich unter der Bettdecke entziffern müssen, sondern getrost unterwegs lesen dürfen. Schön ist es, wenn Form und Inhalt zusammenpassen. Auch hier sahnt Küsse in Pink Pluspunkte ab. Der lockere Schreibstil amüsiert und wirkt glücklicherweise nicht gezwungen-jugendlich, sondern frei und natürlich. Er rührt sicherlich auch daher, dass Pommerenke die Aktualität des Buches mit zahlreichen Interviews gewährleistet hat. Küsse in Pink ist daher kein einfaches Sachbuch. Vielmehr ist es ein gelungener Mix aus Sachinformationen, Anekdoten und persönlichen Erfahrungsberichten von jungen Frauen. Angenehm und für Jugendliche sicherlich besonders hilfreich ist zudem, dass die Autorin die Leser_Innnen nicht altklug belehrt, sondern sie mitnimmt auf eine Entdeckungsreise durch die lesbische Welt. Gerade während des Coming-outs, wenn junge Mädchen sich unsicher fühlen und alles doppelt neu ist, möchten sie nicht vorgesetzt bekommen, wie wenig sie erst wissen. Pommerenke schafft hier den Spagat zwischen unterhaltsam und informativ und gibt dabei der Leserin immer das Gefühl, sie ernst zu nehmen. Natürlich könnte ich jetzt anführen, dass es bereits lesbische Coming-out-Bücher auf dem Markt gibt und diese selbstverständlich nie überheblich daherkommen. Allerdings sind die meisten etwas eingestaubt oder mit den erwähnten offensichtlichen Covern bespickt. Küsse in Pink erscheint also genau zum richtigen Zeitpunkt. Na ja. Fast. (Für mich.) Küsse in Pink |




Im Jahre 2008 musste ich eine große Entdeckung machen: Ich habe mein Coming-out sieben Jahre zu früh durchlebt. Hätte ich mich nicht als 13-jährige Frühzünderin auf der Suche nach meiner sexuellen Identität gemacht, bekäme ich heute ein wahrhaft nützliches Coming-out-Buch an die Hand. Die Rede ist von „Küsse in Pink“, das literarische erste Mal (sprich: das erste Buch) von Silvy Pommerenke.